Renounced – Conditioned From Birth, Ark Of The Covenant – This Was Everything (Atonement)

coDie EP erschien vor The Melancholy We Ache (klingt wie The Return To Melancholy, gegen Reenactment darf man bei der Band nichts haben), schlägt aber in die selbe Kerbe. Stilistisch ist das dieser Metalcore um 2000, der tendenziell in Richtung Mainstream schielte: Poison The Well, frühe Evergreen Terrace, 7Angels 7Plagues, Skycamefalling. Conditioned From Birth entspricht dem Niveau des Albums. Das tightere Songwriting ist Geschmackssache. Die Produktion nimmt leider die mögliche Durchschlagskraft, hört sich besonders im Vergleich mit The Melancholy We Ache. Ich kann mit dem Metal-Mosh-Post-Hardcore-Mischmasch mehr live was anfangen, als aus Konserve, aber was will man machen.

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twArk Of The Covenant, ebenso aus UK, genau Welsh, coverten „Stones“ von Morning Again. Morning Agains As Tradition Dies Slowly war vermutlich ein Vorbild der Band. AOTC ziehen das Metalcore-Einmaleins ab, was sehr effektiv sein kann, bspw. der apokalyptische Breakdown-Part in „Covenant“, um bei der jüdisch-christlichen Ästhetik zu bleiben, mit der sie spielen und die sie mit Morning Again (oder Arkangel) teilen, aber genauso vorhersehbar im Aufbau ist. Die Lieder wechseln zwischen stumpfer Brutalität und schrägen Harmonien. „Golem“ ist davon ein gutes Beispiel.
Stimmlich kommt Leidenschaft rüber.

Atonement Records

Exhaustion – S/T Demo (Dog Knights/COF)

Das Cover hat durch die umschlungene mittelalterlich anmutenden Schrift die selbe Ikonografie wie das Cover von Hollow Crown (Architects). Mit deren modernen Metalcore gibt es aber wenig Gemeinsamkeiten. Exhaustion sind sowas wie die Nachfolgeband von Throats und so klingen sie auch. Throats waren großartig und deren Album/EP für mich eines der besten Hardcore-Releases aller Zeiten. Die hören sich grob beschrieben an wie eine primitivere Version von Converge. Klar, Converge wird nicht der einzige Einfluss gewesen sein. Wenn man so will, sind sie in der Tradition des typischen UK-Crust-Grindcore. Einerseits beinhalten Exhaustion die Chaoscoreraserei des Throats-Albums, andererseits drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Demo-EP eine Sparversion des früheren Outputs darstellt. Das trifft es nicht wirklich. Exhaustion klingen teils noch ungehemmter. Trotzdem halt nicht mehr so geil. Tremolo-Picking ist zu Zeiten wo jede dritte Hardcore-Band mit Black Metal rumspielt mir über. Aber diese wunderbar theatralischen Momente, plötzlichen Breaks, irren Licks sind wieder da. Der entmenschlichte Gesang könnte passender nicht sein. Das Aufheulen in „Conceit“ ist beispielsweise großartig. Und die 7inch zeigt, dass brootaler Hardcore ohne Sludge-Brimborium auskommt.

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Water Torture – Pillbox (Nerve Altar)

pWas Water Torture von anderen Hardcore-Bands abhebt, neben der teils cleanen, attraktiven Ästhetik, ist die Konstellation aus Schlagzeug und Bass, also das Fehlen einer Gitarre. Da obendrein Powerviolence gespielt wird, erinnert das an das mittelprächtige Projekt Man Is The Bastard. Shellfire! gefällt mir sehr gut. Pillbox stellt sich als kleine Enttäuschung heraus. Das nicht sehr verschiedene Shellfire! ist hart und energetisch, Pillbox drückt sich durch eine heruntergestimmte, oft langsam gespielte Bassmauer und Noise-Collagen aus. Per se nicht uninteressant, aber die mahlenden Riffs, Downtempo-Passagen und Breaks sind nicht übermäßig spannend. Das klanglich separierte Schlagzeugspiel wirkt leer, fast wie ein überflüssiges Gimmick, was ich auch von dem gepressten Gesang sagen würde, der noch nie eine Stärke der Band war. Die Noise-Collagen sind nett. Pillbox ist eines dieser Veröffentlichungen, die mit der Zeit an Wertschätzung zunehmen können. Im Auge behalten sollte man das Label Nerve Altar, dass schon jetzt einige interessante Veröffentlichungen beherbergt.

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Afterlife Kids – Morgengrauen (Adagio830/Vendetta), Sidetracked – Ghosttownbloomer (Spastic Fantastic/Rising Riot), Unrest – 7inch (Rising Riot)

morMorgengrauen sehe ich in der Nähe von Bands wie Metöke, Akephal oder späteren Gruppen wie Anomalie, Coup D’Etat. „Emo Terror“ heißen sie sich selbst, „Emo Mosh“ würde besser passen. Mancher wird sich am Pathos stören, du solltest aber nicht.

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ghosttown„Fast thrashy parts and more frisky ones. In the early days, the sounded more like Boston, Jerry Kids or even American Nightmare. Nowadays there are also much modern influences from bands like Gold Kids or Patsy O Hara.“ Lass ich so stehen. Ja insbesondere der Gesang hat Ähnlichkeit mit dem von Wesley Eisold. Ghosttownbloomer ist ein rundes Produkt, moderner, aber recht oldschooliger Hardcore, sicher nichts Neues, aber wirklich überzeugendes Exemplar, aus dem 80er-Wiederkäuzirkus.

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unrUnrests 7inch drückt einen mit einer dichten Gitarren – Bass-Wand an die Wand, meist vorwärtstreibend, eher wenig zum stampfen, mal grindig. Lake Of Misery ist grundsätzlich das Selbe, mehr Blastparts, vielleicht Riff-fokusierter, aber doch nicht so gut, wie die 7inch. Der EP steht die einfachere Produktion imo besser.

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Rising Riot Records

Kapytaen – S/T Demo

Kapytaen haben sich für das Medium Kassette entschieden. Cool, ein kleiner Beitrag damit dieses selten gewordene Format am Leben bleibt. Auch die Gestaltung überzeugt. Die Band macht nach eigener Beschreibung „Fucked up Kurstadt Violence“. Kurstadt Violence erinnert an manches, was im deutschen Sprachraum in Sachen Underground und HC das letzte Jahrzehnt beliebt war, wenn auch das Label Neocrust nicht so gut passt, dass es ihnen aufdrückt werden kann. Kapytaen drosseln das Tempo häufig. Der Moshcore-Ansatz („Povera“) klingt gut, Melodien, da wo sie mal vorkommen („Endonduko“) ebenso. Ein verstörendes Zwischenstück wie „Melu“ kann noch überraschen, genauso wie finnische Songtitel („Haista Vittu“). Das Fucked up in der Selbstbeschreibung ist angebracht. Fucked up ist der nur schwer berechenbare Verlauf der Lieder, fucked up sind die Schreie des Shouters, die Crewshouts und die dünne Produktion. Der rohe Sound passt zum Stil der Band. Selbst wenn das hier keine Demo wäre, könnte man nicht so viel dagegen sagen. Die Texte sind mehr oder weniger fucked up und lesenswert, aber alles schon mal in selber oder ähnlicher Form gehört. Das „Fickt Euch Alle“ am Ende von „Sobredosis Gris“ drückt treffend aus, was die Musik ausmacht.

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